Liam Cole Young Research Fellow

Liam Cole Young
April - August 2018
Cranachstraße 47, 1. OG, Raum 113
Tel.: +49 (0) 3643 – 58 40 25

Vita

Liam Cole Young ist Fakultätsmitglied der Carleton University School of Journalism and Communication in Ottawa, Kanada. Dort forscht und lehrt er Medienwissenschaft und Kulturtheorie. Er ist der Autor des Buches „List Cultures: Knowledge and Poetics from Mesopotamia to BuzzFeed” (Amsterdam University Press, 2017), in dem er das Auflisten als Kulturtechnik der Verwaltung und Vorstellung untersucht.

Bevor er nach Carleton kam war er Assistant Professor an der Trent University im Fachbereich Kulturwissenschaften und lehrte ebenfalls an der Western University in der Fakultät für Informations- und Medienwissenschaft, wo er im Fach Medienwissenschaft promoviert wurde.

Forschungsfelder

Medientheorie und Archäologie; Infrastruktur; Logistik; Schreibarbeit; Epistemologie und Geschichte des Wissens; Harold Innis; Toronto School of Communication

IKKM Forschungsprojekt

Salz: Eine Mediengeschichte

Das Projekt untersucht die globale Geschichte von Salz als Rohstoff und „elementares“ Medium. Dabei wird vorgeschlagen, Salz als Emblem oder Paradigma zu verstehen, mit dem Infrastrukturen, die in Zivilisationen und Imperien auftauchen, untersucht werden können.

Die Arbeit beginnt damit, eine der einflussreichsten Formulierungen der Medientheorie umzukehren: 1960, zwei Jahre vor dem Erscheinen von „Die Gutenberg-Galaxis“, beschreibt Marshall McLuhan Medien als Rohstoffe, als „natürliche Ressourcen im vollen und uneingeschränkten Sinne. Aber die Ressourcen, die sie darstellen und die sie erschließen, sind die menschlichen Sinne selbst.“ McLuhan hat dieses Konzept von Harold Innis’ bahnbrechender Rohstoff-These in der Wirtschaftsgeschichte abgeleitet. Innis behauptete, dass Rohstoffe wie Pelz, Fisch und Holz zentral für die Entstehung von Ökonomie, Kultur und sogar Zivilisation seien, ganz besonders in Randzonen wie Kanada. McLuhan ging ähnlich vor und wandte die Rohstoff-These auf technische Geräte und die Systeme der Moderne – nämlich Medien – an, indem er ihnen ähnliche zivilisatorische Wirkungen zuschrieb. Viele Arbeiten sind über McLuhans Thesen geschrieben worden und haben diese erweitert und weiterentwickelt, aber fast keine hat sein Medienkonzept auf die Rohstoffe zurückgebunden, auf die seine Thesen zurückgingen. Meine Frage ist daher: Wie können Rohstoffe als Medien verstanden werden und was kann deren Analyse zur Medientheorie beitragen?

Salz eröffnet eine privilegierte Perspektive auf solche Fragen. Es zeigt Funktionen, die üblicherweise mit Medien assoziiert werden: die Verarbeitung von Lebensmitteln für deren Lagerung und Transport, wodurch Austausch, Handel und Krieg zwischen Imperien möglich wurden. Die Jagd nach Salz hat seit Jahrtausenden geographische Grenzen und Navigationsmuster hervorgebracht, auf deren Grundlage soziale und politische Ordnungen aufgebaut wurden. Frühe menschliche Migrations- und Besiedlungsmuster sind charakterisiert durch die Jagd nach Salz über verschiedene Techniken des Salzabbaus, wie in Duzdagi in Aserbaidschan ca. 3500 v. Chr., der Raffinerie, wie in Go O Chua am Flussdelta des Mekong ca. 900 v. Chr., oder des Handels, wie in Jericho seit ca. 9000 v. Chr.

Eine Untersuchung der Globalgeschichte des Salzes trägt zu John Durham Peters Aufruf bei, die natürlichen Elemente in einem neuen Licht zu sehen als Knotenpunkte für Infrastrukturen, auf deren Grundlage Kulturen und Zivilisationen aufgebaut sind. Diese größeren Ketten der Versorgung, des Transports und des Umlaufs finden ihren Nachhall in aktuellen Studien, welche Infrastruktur und Logistik als Schlüsselelemente einer medientheoretischen Untersuchung ansehen.

Jüngste Publikationen

Young, Liam C. (2017). List Cultures: Knowledge and Poetics from Mesopotamia to Buzzfeed. Amsterdam: Amsterdam University Press.

Young, Liam C. (2017). “Innis’s Infrastructure: Dirt, Beavers and Documents in Material Media Theory.” Cultural Politics 13.2.

Young, Liam C. (2016). “Foreword: Wolfgang Ernst’s Media-Archaeological Soundings” in Wolfgang Ernst, Sonic Time Machines (Amsterdam: Amsterdam University Press, 2016).

Young, Liam C. (2015). “Cultural techniques and logistical media: Tuning Anglo-American and German media studies.” M/C Journal 18.2.