Martin Ritter Research Fellow

Martin Ritter
Oktober - November 2017
Cranachstraße 47, 1. OG, Raum 114
Tel.: +49 (0) 3643 – 58 40 09

Vita

Martin Ritter ist Akademischer Rat an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität in Prag und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften. Seine Hauptbereiche in Lehre und Forschung sind Phänomenologie, Kritische Theorie und europäische Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts. Martin Ritter konzentriert sich auf die Phänomenologie von Jan Patočka und ist ein führender tschechischer Experte für Walter Benjamins Denken. Er redigierte und übersetzte drei Bände von ausgewählten Schriften von Walter Benjamin und beteiligte sich an der Redaktion von Jan Patočkas gesammelten Werken. Er übersetzte andere bedeutende philosophische Bücher ins Tschechische, einschließlich derer von Theodor Adorno, Homi Bhabha, Richart Rorty oder Slavoj Žižek.

Forschungsschwerpunkte

Phänomenologie
Kritische Theorie
Europäische Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts

IKKM Forschungsprojekt

Asubjective Appearing

In meinem Projekt werde ich untersuchen, ob und wie die Phänomenologie und die Medienphilosophie gegenseitig inspirierend sein können. Konkreter gesagt, möchte ich, auf der Grundlage meiner Einsicht in Jan Patočkas Denken, versuchen seine späte asubjektive Phänomenologie als Konzept, welches sich damit beschäftigt, wie Menschen und Dinge in der Welt im asubjektiven Erscheinungsfeld interagieren, in das Gebiet der Medialität zu reinterpretieren. Wenn er von der Notwendigkeit spricht Phänomenologie asubjektiv zu machen, verlässt Patočka Husserls transzendentales Konzept des absoluten Bewusstseins, welches das phänomenale Feld konstituiert. Das Feld des Erscheinens ist eher das Feld „der möglichen Begegnung mit dem Sein“ und ist als solches verknüpft mit einem Wesen, das in Möglichkeiten lebt. Was ich an Patočkas Ansatz besonders interessant finde, wenn er mit der Medientheorie verbunden wird, ist sein unterscheiden von drei grundlegenden Bewegungen des Daseins: die sogenannten Bewegungen der (1) Verankerung, (2) der Selbstverlängerung und (3) des Durchbruchs. Jedes vorhandene Wesen muss diese drei Bewegungen verwirklichen, aber kein einzelner Mensch ist das Prinzip von ihnen. Tatsächlich führt kein Individuum diese Bewegungen durch, es nimmt eher an ihnen teil, insofern diese Bewegungen in ihren historisch variablen Formationen dieses Wesen ontologisch bedingen. Man kann sagen, dass das, was einen Menschen zu einer konkreten Person macht, ist, wie man an diesen Bewegungen in ihren historischen Variationen teilnimmt. Es ist sowohl die historische Variabilität dieser Formationen als auch die unterschiedlichen „Logiken“ des Auftretens oder der Vermittlung in jeder der Bewegungen, die mit dem medien-theoretischen Ansatz analysiert werden können. Tatsächlich bedeuten die verschiedenen Bewegungen nicht nur unterschiedliche Erscheinungsformen, sondern auch unterschiedliche Kulturtec hniken und sogar verschiedene Arten der theoretischen „Erfassung“ von ihnen. Während in der zweiten Bewegung, soweit es sich um eine („ökonomische“) Bewegung der Lebenserhaltung handelt, das Verursachen sinnvoll als die Art des Erscheinens/Vermittelns erkennbar ist, scheint es im Falle der ersten und noch mehr im Falle der dritten Bewegung viel geeigneter deren Art des Vermittelns/Erscheinens mit dem Auftauchen oder dem Sich-Zeigen zu verbinden.

Jüngste Publikationen

"Patočka's Care of the Soul Reconsidered: Performing the Soul Through Movement", in: Human Studies, 40(2), 2017, pp. 233-247
"Towards a Non-Eurocentric Analysis of the World Crisis: Reconsidering Patočka’s Approach", in: Research in Phenomenology, 2017 (forthcoming)
Benjamin, Walter, Výbor z díla III, Psaní vzpomínání [Selected Writings III], Oikúmené, Praha 2016 (edition and translation)