Anke te Heesen Ehem. Senior Fellow

Anke te Heesen
April - September 2016

Vita

Anke te Heesen, born 1965, has been professor for the History of Science at the Institute for History, Humboldt University Berlin, since 2011. She is also Principal Investigator at the ‘Excellenzcluster’ “Bild Wissen Gestaltung“. Before, she held a professorship in European Ethnology and was managing director of the Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft at the University of Tübingen. She received her PhD with the dissertation entitled in 1995: „Das Werkzeug des Begreifens: Die Bilder-Akademie für die Jugend (1780-84) des Johann Siegmund Stoy“ at the Oldenburg University. For several years she worked as Research Fellow at the Max Planck Institute for the History of Science. Anke te Heesen curated several exhibitions and was the Founding Director of MUT (Museum of the University of Tübingen). Her major publications are “World in a box. The Story of an Eighteenth-Century Picture Encyclopedia” (translation 2002) and “The newspaper clipping. A modern paper object“ (translation 2014). Recently she published “Theorien des Museums” (2012) and “Wissenschaft im Museum, Ausstellung im Labor” (together with Margarete Vöhringer, 2014).

Forschungsgebiete

Human sciences; natural history; theory of curating and art; science of art; history of art, aesthetics and communication; theory of knowledge organisation, culture and museum science

IKKM Forschungsprojekt

To climb into other people’s heads. Thomas Kuhn, die Wissenschaftsgeschichte und das Interview

Interviews haben Konjunktur und die Geschichte des veröffentlichten Dialogs wird auch von der medienhistorischen Forschung aufgenommen, hier aber vor allem für das journalistische Interview. Doch ein Blick in die Wissenschaftsgeschichte zeigt schnell, dass das journalistische Interview zwar der Vorstellungshintergrund für das Forschungsinterview gewesen sein mag, seine Analyse aber bei weitem nicht die Aspekte eines forschenden Insistierens zu erklären vermag.
Diese zu schreibende Geschichte des Forschungsinterviews wird exemplarisch an dem von der National Science Foundation (USA) geförderte Projekt Sources for History of Quantum Physics behandelt. In dreijähriger Laufzeit (1961-1964) sollte die Vielfalt der noch existierenden schriftlichen Dokumente und lebenden Erinnerungen zu den großen physikalischen Entwicklungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gesammelt und gesichert werden. Mit der Leitung des Projekts wurde der Wissenschaftsphilosoph Thomas S. Kuhn beauftrag, der bald mit den Assistenten John Heilbronn und Paul Forman die erste Oral History-Quellensammlung der Wissenschaftsgeschichte anlegte. Dieses heute unter dem Titel Archives for the History of Quantum Physics bekannte Projekt hat seit seinem Entstehen Mitte der 1960er Jahre zahlreiche physikgeschichtliche Arbeiten nach sich gezogen und ist als einzigartige Quellensammlung bekannt geworden; historiographisch ist es aber noch nicht untersucht worden. Dabei verdeutlichen die über 100, von den drei Männern gesammelten Interviews vor allem eins: Ohne Psychoanalyse und Verhörtechniken wäre dieses Projekt undenkbar gewesen.
Die Projektgenese zeigt, wie zunächst große Hoffnungen mit den Praktiken der Oral History verbunden werden, wie sie sich im Laufe des Projekts zu exemplarischen und von den Protagonisten herausgehobenen Dialogen verdichten, um sich schließlich in eine Abfolge von Anekdoten zu zerstreuen. Versucht man das (nicht explizite) Verständnis von Interview in den Mittelpunkt zu rücken, so wird vor allem deutlich, wie eine große Hoffnung der neueren Wissenschaftsgeschichte und -philosophie am „historical realism“ (Michael Lynch) zum Ende der 1960er Jahre zerplatzt.

Publikationen

Monographien

The Newspaper Clipping. A modern paper object. Manchester: Manchester University Press 2014.
Theorien des Museums. Zur Einführung. Hamburg: Junius Verlag 2012.
Der Zeitungsausschnitt. Ein Papierobjekt der Moderne. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag 2006.
The World in a Box. The Story of an Eighteenth-Century Picture Encyclopedia. Chicago: The Chicago University Press 2002.

Herausgaben und Mitherausgaben

with M. Vöhringer: Wissenschaft im Museum - Ausstellung im Labor. Berlin: Kadmos Verlag 2014.
with S. Padberg: Musée Sentimental 1979. Ein Ausstellungskonzept. Ostfildern: Hatje-Cantz-Verlag 2011.
with A. Michels: auf/zu. Der Schrank in den Wissenschaften. Berlin: Akademie Verlag 2007.

Artikel

“Naturgeschichte der Interviews”. In: Merkur. Deutsche Zeitschrift für Europäisches Denken 4/67, 2013, pp. 317-328.
“Übersicht trotz Fülle”. In: Hundert. Das Jubiläumsmagazin der Deutschen Nationalbibliothek, Ausgabe 3. Hrsg. von Deutsche Nationalbibliothek, (eds.): Dr. E. Niggemann. Leipzig: Deutsche Nationalbibliothek, 2012, pp. 21-23.
“Kulturgeschichte im Raum”. In: Historische Anthropologie. Kultur, Gesellschaft, Alltag. 20. Jahrgang 2012, Heft 2. Thema: 20 Jahre Zeitschrift Historische Anthropologie. (eds.): R. Habermas, J. Tanner und B. Wagner-Hasel. Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag, 2012, pp. 239-241.
“Objet sentimental”. In: Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung, 1/11, 2011, pp. 127-141.
“Exposition Imaginaire. Über die Stellwand bei Aby Warburg”. In: Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, 2011, pp. 55-64.