Bettine Menke Ehem. Senior Fellow

Bettine Menke
Oktober 2010 - März 2011.

Vita

Seit 1999 ist Bettine Menke Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt. Seit 2005 ist sie als Antragsstellerin beteiligt am Graduiertenkolleg »Mediale Historiographien« der Universitäten Jena, Weimar und Erfurt. Bevor sie an die Universität Erfurt kam, unterrichtete sie an der Universität Konstanz, der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder sowie der J. W. Goethe-Universität Frankfurt/Main und der Philipps-Universität in Marburg. Bettine Menke studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Konstanz. Ihre Promotion legte sie 1988 mit dem Titel »Sprachfiguren. Name – Allegorie – Bild nach Walter Benjamin« vor (München 1991, Neuaufl. 2001). Ihre Habilitation folgte 1996 als »Prosopopoiia. Stimme und Text bei Brentano, Hoffmann, Kleist und Kafka« (München 2000). 2006/07 war sie Max-Kade-Visiting Professor an der University of California Santa Barbara (UCSB).

Forschungsschwerpunkte

Literature and text theory in a cultural science perspective, rhetorics, deconstruction gender studies; poetic and sacral sign systems (stigmata), semiotics of the body; concepts of memory and intertextuality; baroque techniques and romantic figures; rhetoric and poetic of knowledge; writing, image, voice and sound; mytho-poetic figures, prosopopoia; polar voyages.

IKKM Forschungsprojekt

Der Rahmen meiner derzeitigen Forschung, ist dass Konzept des Witzes, von dem her ich sprachliche Produktion denke; in der ingenium-Tradition wird die Spannung zwischen Verfahren und hervorgebrachter ‚Erkenntnis’ gehalten, die sprachlichen Prozesse sind nicht in deren (mehr oder weniger) sinnvollem Resultat eingeholt. Die Spannung im Verhältnis von Verfahren und substantieller Deckung ihrer Effekte wird insb. in Wort- und buchstäblichen Spielen, wie Paronomasie, pun, Anagramm, usw. exponiert; alle diese Formen werden, insofern sie sich an die Buchstäblichkeit heften, im 18. Jh. unterm Vorzeichen der Hermeneutik, des Ausdrucks und der verkörpernden Darstellung aus der Dichtung ausgeschlossen. Sie machen aber eine Produktivität anderer Art absehbar, für die der Zusammenhang von Einfall und Zufall ausschlaggebend ist. Der Spannung zwischen dem Un-Sinn der Elemente, ihrer kombinatorischen Aleatorik und dem Sinn entspricht die (im 18. Jh. ausdrückliche) Zwiespältigkeit gegenüber dem Witz als Wort- oder Buchstaben-Operation, die Effekte zeitigt. Es ist der eigentliche Skandal gerade des Glückens des Witzes, dass in ihm zwischen Ernst und Unernst nicht zu unterscheiden ist.
Die Letteralität des Witzes gehört dem alten Zusammenhang von Inventio, Kombinatorik, Alphabetisierung des Wissens, Aleatorik an; damit liegt der Akzent zunächst auf der Zerlegbarkeit der Wörter, dann auf dem Schauplatz des Auftritts der Lettern und damit der Spatialität der Schrift. Es handelt sich um ein Stück Mediengeschichte der Schrift. Der Schauplatz des Witzes ist der Text nicht in Beschränkung auf den alphanumerischen Zeichensatz, sondern unter Einbezug der typographische Zeichen, die als Interpunktionszeichen grammatisch integriert werden, die als Operatoren, Supplemente oder auch Ornamente (oder Flecken) fungieren. Dies ist Teil eines Blicks auf die Texte von deren Resten und Rändern her, jenen Rändern, die den Text erst als solchen hervorgebracht haben. Denn die Spatialisierung der Schrift und die Organisation als Text ist durch Operatoren geprägt, die festlegen, was überhaupt zu einem Text gehört. An den Rändern wird die Unterscheidung von Text und Nichttext erfunden und organisiert, und zwar derart, dass diese Unterscheidung im Text noch einmal aufscheint, und dieser etwa durch typographische Zeichen im Innern des Textes an andere Orte/ Ränder/ Hintergründe verwiesen ist. Die Semiose wird derart - in Perspektive des Witzes (der Texte) - neuartig entschieden und fraglich, wie zum einen in Hinsicht des schriftlichen Zeichens (und seiner Ränder und Reste), so zum anderen auch in Bezug auf die Potentialität aller, d.i. weder durch die kodierten Bezüge und die Grenzen einer Sprache noch durch die der gesprochenen Sprache limitierten, sound-sense-Relationen ...

Publikationen

mit Wolfgang Struck (eds.): Wieland/Übersetzungen. Frankfurt/M./New York: de Gruyter 2010.
»Stimme-Geben«, in Ulrike Landfester and Ralf Simon (eds.): Gabe, Tausch, Verwandlung: Clemens Brentanos Poesien der Zirkulation. Würzburg: Könighausen & Neumann 2009, p. 69-87. »Zur Kritik der Gewalt: Techniken der Übereinkunft, Diplomatie, Lüge«. In: Hendrik Blumentrath et al. (eds.): Techniken der Übereinkunft. Zur Medialität des Politischen Berlin: Kulturverlag Kadmos (Kaleidogramme Bd. 38), p. 37-56.
mit Christoph Menke (eds.): Tragödie – Trauerspiel – Spektakel. Berlin: Theater der Zeit 2007.
»Zur Evidenz – der Stigmata«. In: Holt Meyer and Dirk Uffelmann (eds.): Rhetorik und Religion. Stuttgart: Kohlhammer 2007, p. 134-151.
Holes and Excesses: On Wit and the Joke in Kleist’s‚ Anecdote from the Last War’. In: MLN Vol. 122 No.3 (2007).
mit Thomas Meinecke, Barbara Vinken, Slavoj Zizek: Ratzinger – Funktion. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2006.
mit Eva Horn and Christoph Menke (eds.): Literatur als Philosophie – Philosophie der Literatur. München: Fink 2005.
mit Barbara Vinken (eds.): Stigmata. Poetiken der Körperschrift. München: Fink 2004.
mit Erika Greber (eds.): Manier – Manieren – Manierismus. Tübingen: Narr 2003.
Prosopopoiia. Stimme und Text bei Brentano, Hoffmann, Kleist und Kafka. München: Fink 2000.
Sprachfiguren. Name - Allegorie - Bild nach Walter Benjamin. München: Fink 1991. (revised version: Sprachfiguren.Weimar: VDG 2001).