Claudia Blümle Ehem. Senior Fellow

Claudia Blümle
April - September 2017

Vita

Claudia Blümle ist seit 2014 Professorin für Geschichte und Theorie der Form am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin und am Exzellenzcluster Bild, Wissen, Gestaltung – Ein interdisziplinäres Labor. Sie war von 2009 bis 2014 Professorin für Ästhetik und Kunstgeschichte an der Kunstakademie Münster. Seit 2012 ist sie Herausgeberin der Zeitschrift „Regards croisés. Deutsch-französisches Journal zur Kunstgeschichte und Ästhetik“ (zusammen mit A.-C. Drews, M. Castor, Boris Roman Gibhardt, M. Gispert, J. Grave, J. Ramos, M. van Vliet) und seit 2015 ist sie Herausgeberin der Buchreihe „Bildwelten des Wissens. Kunsthistorisches Jahrbuch für Bildkritik“ (zusammen mit H. Bredekamp und M. Bruhn).

weitere Informationen unter

Fields of research

Ästhetik und Kunsttheorie; visuelle Bilder und das Recht in der frühen Neuzeit; Wissenschaft und Kunst im 19. Jahrhundert; Kunst der Nachkriegszeit in der Öffentlichkeit; französische Bildtheorie des 20. Jahrhunderts

IKKM Research Project

Hier, schau hin. Zum Verhältnis von Zeigen und Handeln im frühneuzeitlichen Bild

Im Zentrum des Forschungsprojekts steht der Einsatz von Figuren in frühneuzeitlichen Bildwerken, die mit einer Zeigegeste oder einer Geste des Beiseiteschiebens eines Vorhangs auf eine Szene verweisen und dabei den Betrachter mit ihrem Blick adressieren. Solche deiktischen Figuren zeichnen sich in den zu untersuchenden Bildwerken dadurch aus, dass sie nicht zur dargestellten Erzählung gehören, sondern sich außerhalb dieser befinden und stattdessen eine Vermittlungsposition zwischen der im Bild dargestellten Szene und dem Betrachter vor dem Bild einnehmen. Dabei wird das Bild in seiner Ostentation zum Medium, das mit der Darstellung dieser in Distanz getretenen Figuren eine Beobachtung zweiter Ordnung herstellt. Im Gegensatz zu den innerbildlich verweisenden Figuren fungieren diese zeigenden und den Betrachter anblickenden Figuren als Scharnierfiguren, die nicht zuletzt für die Evidenz des Bildes selbst bürgen. Diese in den Blick genommenen Gemälde und Wandmalereien beziehen sich in den meisten Fällen explizit auf ihren Bestimmungsort und seine Funktion, die mit den Zeigefiguren eine Verbindung zum Handlungsraum in und vor dem Bild herstellen. Das Bild bringt auf diese Weise eine Erweiterung eines Raumes hervor, der jeweils mit unterschiedlichen Handlungen verbunden ist. In dem Moment, in dem die Grenzen zwischen Bildraum und Realraum aufgehoben sind, geht die Adressierung an den Betrachter vor dem Bild mit einer Handlungsaufforderung einher. Im Zeigeakt wird nicht nur das Auge des Betrachters adressiert, sondern dieser ist im Appell des 'Hier – schau hin' körperlich und räumlich mit einbezogen. Bei dieser Hinwendung geht es darum, dass nicht innerbildlich ein Sachverhalt unbeobachtet beobachtet wird, sondern, gerade umgekehrt, dass der Betrachter vom Bild aus involviert wird. Auf dem Weg einer strukturalen Bildanalyse soll im Forschungsvorhaben der Blick auf das visuelle Verweisspiel gelenkt werden, das die Bildwerke am Ort ihrer ursprünglichen Hängung entfalteten und ihre handlungsorientierte Wirksamkeit begründeten. Diese singulären Bilderfindungen beleuchten jeweils den prozessualen Charakter der Handlungen in ihrer zeitlichen, räumlichen und sinnlich-visuellen Dimension. Vor diesem Hintergrund werden die Gemälde und Wandmalereien nicht lediglich auf eine historische Kontextualisierung der Bilder rekonstruiert, sondern diese im Blick auf ihr Potential des Zeit-Spiel-Raumes betrachtet. Das Forschungsvorhaben soll dabei verdeutlichen, dass die formale und strukturale Verschränkung von Zeigen und Sehen dem Bild eine Macht zukommen lässt, die zugleich eine jeweils historisch gewordene Erzeugung von Handlungsräumen vor dem Bild offenlegen.

Jüngste Publikationen

Blümle, C.: Hier- Schau hin. Überzeugungsfiguren im Bild. In: Däumer, M., Kalisky, A., Schlie, H. (Eds.): Über Zeugen. Szenarien von Zeugenschaft und ihre Akteure. Wilhelm Fink, München 2017, 167-193.

Blümle, C., Wismer, B. (Eds): Hinter dem Vorhang. Enthüllung und Verhüllung seit der Renaissance. Von Tizian bis Christo. Exhibition catalogue, Kunstpalast Düsseldorf. Hirmer, München 2016.

Blümle, C.: Das verhüllte Rätsel. Verschwinden und Erscheinen in der surrealistischen Kunst. In: Engell, L. and Siegert, B. (Eds.): Verschwinden, Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung (ZMK), 7/1/2016, 125-141.

Blümle, C.: Secret Topology: Lacan’s Optical Models and Schemata as a Combination of Mathematics, Media, and Art, In: Friedman, M., Tomšič, S. (Eds.): Psychoanalysis: Topological Perspectives. transcript, Bielefeld 2016, 127-151.

Blümle, C.: Wachstum auf Stein. Paul Klees Mineraliensammlung. In: Doll, N., Bredekamp, H., Schäffner, W. (Eds.): +ultra. gestaltung schafft wissen. Exhibition catalogue, E. A. Seemann, Leipzig 2016, 103-111.

Blümle, C.: Infinite Folds. El Greco and Deleuze’s Operative Function of the Fold. In: Schäffner, W., Friedman, M. (Eds.): On Folding. Towards a New Field of Interdisciplinary Research. transcript, Bielefeld 2016, 77-91.