Joachim Krausse Ehem. Senior Fellow

Forschungsprojekt

Architektur der Raumzeit

Das Forschungsprojekt unter dem Arbeitstitel „Architektur der Raumzeit“ geht von einer Problematik aus, die das ganze Gebiet der Gestaltung im 20. Jahrhundert durchzieht: die Rekonzeptualisierung von Raum und Zeit. Trotz vieler, z.T. bedeutender, Versuche, den Wandel dieser Grundbegriffe an den Veränderungen der Artefakte aufzuweisen, ist es bisher zu keiner befriedigenden Theorie gekommen. Das könnte u.a. daran liegen, daß der Austausch und die Wechselwirkung zwischen wissenschaftlichen, technischen und ästhetischen Hervorbringungen in ihrer gesamtkulturellen Bedeutsamkeit unzureichend analysiert worden ist.
In den meisten meiner Studien geht es um Wechselwirkungen der genannten Art, um Übertragungen und unvorhergesehene Verknüpfungen disparater Gebiete, Gattungen, Disziplinen, Branchen. Ihre Analyse wirft nicht nur ein neues Licht auf die untersuchten Objekte, sondern liefert oft auch den Schlüssel für bedeutende technische, mediale und ästhetische Innovationen. Sie alle haben es mit einer Neubestimmung von Raum-Zeit-Relationen zu tun.
„Architektur der Raumzeit“ ist doppelsinnig zu verstehen: einmal als Frage nach den Mustern, Strukturen und Modellen, die dem Konzept von „Raumzeit“ seit Einstein und Minkowski unterlegt worden sind und zum anderen die architektonischeen, ingenieusen und gestalterischen Antworten, die es auf die zunächst nur theoretischen Neubestimmungen der „Revolution von Raum und Zeit“ (Minkowski) gegeben hat. Die Untersuchungen an geeigneten Beispielen sind als Fallstudien in meinen Veröffentlichungen zu finden. Eine erste Zusammenfassung dieser Studien enthält meine Veröffentlichung „Gebaute Weltbilder“ (Krausse 1993). Seitdem hat sich das Thema durch weitere Fallstudien aber auch Theoriebeiträge beträchtlich angereichert. Die Zusammenfassung in Buchform ist das aktuelle Arbeitsziel.