Gert Hasenhütl Ehem. Research Fellow

Oktober 2010 - September 2011

Vita

Gert Hasenhütl, geboren 1972 in Anger, studierte 1994 bis 2000 Industrial Design an der Universität für angewandte Kunst Wien. Abschluss mit einer Diplomarbeit zum Thema »Wachstum«. 1996-2000 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Pathologisch Anatomischen Bundesmuseum Wien (Narrenturm). 2001-2007 freiberufliche Tätigkeit für »EOOS«, »Entwurfsgruppe bkm« und »GP designpartners«. Seit 2007 Lehrauftrag an der Akademie der bildenden Künste Wien, Institut für Künstlerisches Lehramt. 2008 Promotion an der Universität für angewandte Kunst Wien, Institut für Kunst- und Wissenstransfer, mit einer Arbeit über »Die Entwurfszeichnung«. 2008-2010 Universitätsassistent an der Technischen Universität Graz, Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften. Oktober 2010 bis September 2011 Stipendiat im Research-Fellow-Programm »Werkzeuge des Entwerfens« am IKKM.

Forschungsschwerpunkte

Design Studies, Kulturtechnikforschung, Techniksoziologie, Wissenschaftstheorie

Forschungsvorhaben am IKKM

Erkenntnistheoretische Aspekte von Entwurfsprozessen Das Forschungsprojekt behandelt erkenntnistheoretische Aspekte von Entwurfsprozessen in Architektur-, Graphik- und Industriedesign. Werkzeuge und Medien werden hinsichtlich ihrer veränderten Rolle als nicht-menschliche Akteure untersucht. Es geht im wesentlichen darum, ob und wie sich Entwurfsprozesse erkenntnistheoretisch fassen lassen. Weiters wird eine spezifische Wissensproduktion diskutiert, die nach eigenen Beschreibungen wie z.B. alternativen Wissenskonzepten, abduktiven Schlussfolgerungen oder Modellen der künstlerischen Forschung verlangt. Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit dem Konzept »Quasi-Objekte«, die Übersetzungen zwischen wissenschaftlichen Methoden und gesellschaftliche Werten ermöglichen, und ihrer Relevanz für eine Untersuchung von Werkzeugen im Entwurf. »Quasi-Objekte«, als ein Konzept aus der Wissenschaftstheorie, sind sozialisierte Fakten oder Konstrukte, die nicht eindeutig Technik und Natur einerseits und Gesellschaft und Kunst andererseits zugerechnet werden können. Ebenso vermittelt das künstlerische Konzept des »disegno« zwischen den Polen Technik/Natur und Gesellschaft/Kunst. Die klassischen Entwurfsmedien, z.B. der zeichnerische Entwurf, ausgehend vom Disegno-Paradigma erzeugen Tatsachen auf Basis visueller Merkmale, d.h. sie erlauben eine perfekte mediale Erfassung von Dingen, aber nur eine ungenügende Miteinbeziehung sozialer Faktoren. Die Ablösung von Entwurfsprozessen von realen Kontexten durch z.B. visuell ausgefeilte Entwurfsmedien erzeugt eine ganz bestimmte Art von Entwurf, die zur Folge haben kann, dass Entwurfslösungen zunehmend auf Erfahrungen aus zweiter Hand basieren. Der imaginäre Raum, den Medien und Werkzeuge im Entwurf schaffen, hat mit dem realen und sozialen Handlungsraum von Architektur-, Graphik- und Industriedesign wenig zu tun. Werkzeuge beim Entwerfen können helfen Übersetzungen zu bewerkstelligen, d.h. einerseits Übersetzungen zwischen unterschiedlichen Zeichnungs- und Symbolsystemen und andererseits Übersetzungen zwischen unterschiedlichen Aktions- und Gegenprogrammen der am Entwurf beteiligten menschlichen und nicht-menschlichen Akteure. Übersetzungsprozesse sind in der Betrachtung des Entwurfsvorganges von Interesse, weil dadurch soziale Faktoren stärker berücksichtigt werden können als technische.
In Anschluss an Technikanthropologie, -philosophie und -soziologie werden Kulturtechniken wie Sprechen oder Zeichnen selbst als Werkzeuge aufgefasst, die als künstliche Organe fungieren. Kulturtechniken entstehen aus externalisierten Gedankeninhalten. Werkzeuge von Entwerfern können vor dem Hintergrund der Akteur-Netzwerk-Theorie mit Argumentationen von Wissenschaftern verglichen werden. Eine Frage des Forschungsprojekts ist daraus folgend, ob und wie die verwendeten Entwurfswerkzeuge die Art der Argumentation von Entwerfern beeinflussen, d.h. kann eine Computergraphik als wertvoller erachtet werden als eine Handzeichnung, eine Äußerung in der Alltagssprache oder ein Wachsmodell? Zentral ist die Frage nach der Koppelung bzw. Wechselbeziehung von Werkzeug und Entwerfer. Es können allgemeine Ansätze aus Technikanthropologie, -philosophie wie auch -soziologie auf der Mikroebene für die theoretische Betrachtung von Werkzeugen im Entwurf herangezogen werden, z.B. die Frage inwieweit die Technik die Gesellschaft bestimmt und umgekehrt die Gesellschaft die Entwicklung ihrer Techniken hervorbringt. Das Ergebnis des Forschungsprojekts auf der Makroebene könnte ein theoretisches Modell zur Beschreibung von Entwurfsprozessen aus Architektur-, Graphik- und Industriedesign sein.