Joseph Vogl Ehem. Senior Fellow

Joseph Vogl
April - September 2011.

Vita

Joseph Vogl ist Professor für Literatur- und Kulturwissenschaft/Medien an der Humboldt Universität zu Berlin und Direktor des bi-nationalen Promotionsprogramms „Das Wissen der Literatur“. Vogl promovierte 1990 in Neuerer deutscher Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität München und habilitierte 2001. 1998 - 2006 war Vogl Professor für Theorie und Geschichte künstlicher Welten an der Bauhaus-Universität Weimar und ist Mitherausgeber der Zeitschrift Archiv für Mediengeschichte. 2005 bis 2006 war er Sprecher des Graduiertenkollegs Mediale Historiographien der Bauhaus-Universität, und von 2006 bis 2007 Sprecher des Graduiertenkollegs Codierung von Gewalt im medialen Wandel der Humboldt Universität. Er war als Gastprofessor und Fellow an verschiedenen internationalen Universitäten und Forschungseinrichtungen, unter anderem am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien und an der Princeton University, wo er seit 2007 Permanent Visiting Professor des Department of German ist.

Forschungsschwerpunkte

Geschichte und Theorie des Wissens; Geschichte von Gefahr und Gefährlichkeit in der Neuzeit; Diskurs- und Medientheorie; Literaturgeschichte 18. bis 20. Jahrhundert

IKKM Forschungsprojekt

Aus Indonesien und Malaysia wurde seit dem 16. Jahrhundert mit dem Begriff des Amok (malai. amuk = wütend, rasend) die Nachricht von einer besonderen Form der Gewalt nach Europa gebracht. Die Geschichte dieses Imports kann dabei einige markante Stationen verzeichnen und dokumentiert, wie der Amok von einer exotischen kriegerischen Taktik zu einem psychiatrischen Vorfall geworden ist, um schließlich seit dem 20. Jahrhundert eine diffuse soziale Bedrohung zu bezeichnen, die aus der Mitte westlicher Kulturen kommt. Am Beispiel des Amoklaufs lässt sich somit – bis hin zu den jüngsten school massacres – die Geschichte eines Gefahrensinns entwerfen, der sich auf ‚gefährliche Individuen’ und Feindschaftserklärungen, auf eine Ökonomie der Gewalt und deren öffentliche Verarbeitung in neuzeitlichen und modernen Gesellschaften bezieht. Die Beobachtung dieser spektakulären Gewalttaten gibt auch Aufschluss darüber, wie man sich den Zusammenhalt und die Sollbruchstellen sozialer und politischer Ordnungen zurecht gelegt hat.

Publikationen

mit Alexander Kluge: Soll und Haben. Fernsehgespräche. Zürich/Berlin: diaphanes 2008.
mit Sabine Schimma (eds.): Versuchsanordnungen 1800. Zürich/Berlin: diaphanes, 2008.
Für alle und keinen. Lektüre, Schrift und Leben bei Nietzsche und Kafka. Zürich/Berlin: diaphanes 2008.
mit Anne von der Heiden (ed.): Politische Zoologie. Berlin: Diaphanes 2007.
Über das Zaudern. Berlin: Diaphanes 2007 (2nd edit. 2008).
"Robuste und idiosynkratische Theorie". In: KulturPoetik (7/2) 2007, p. 249-258.
"Was ist ein Ereignis?" In: Peter Gente and Peter Weibel (eds.): Deleuze und die Künste. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2007, p. 67-83.
Kalkül und Leidenschaft. Poetik des ökonomischen Menschen. München: Sequenzia Verlag 2002 (2nd edit.: Zürich und Berlin 2004; 3rd edit. 2008).
Gesetz und Urteil. Beiträge zu einer Theorie des Politischen. Weimar: VDG 2003.
mit Bernhard Siegert (eds.): Europa: Kultur der Sekretäre. Zürich und Berlin: Diaphanes 2003.
(ed.): Poetologien des Wissens um 1800. München: Fink 1999.
mit Wolfgang Schäffner (eds.): Michel Foucault. Herculine Barbin. Über Hermaphrodismus. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1997.
mit Friedrich Balke (eds.): Gilles Deleuze. Fluchtlinien der Philosophie. München: Fink 1996.
(ed.): Gemeinschaften. Positionen zu einer Philosophie des Politischen. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1994.
Ort der Gewalt. Kafkas literarische Ethik. Fink: München 1990.