Karen van den Berg Ehem. Senior Fellow

Karen van den Berg
April - Juli 2016

Vita

Karen van den Berg, born 1963, has been Professor of Art Theory and Curating at the Zeppelin University in Friedrichshafen since 2003. She studied process technology in Stuttgart and art history, classical archaeology, and Nordic philology in Saarbrücken and Basel. In 1994, she received the scholarship “writer in residence” at Donald Judd’s “Chinati- Foundation” in Marfa, Texas. She earned her doctorate degree in art history from Universität Basel in 1995 with a dissertation on Matthias Grünewald, supervised by Gottfried Boehm and Lorenz Dittmann. From 1993 to 2003, she was a lecturer in contemporary art at the Witten/Herdecke University and co-founded the university’s art program, “Art in Dialog”. From 2003 to 2005, she was the Foundation Dean of the Department of Communication and Cultural Sciences. In 2006, she became the academic spokesperson of the university’s arts program. Since 2009 she is speaker of the research cluster “Cultural Production of Next Society”.
Karen van den Berg has also been working as an independent publisher. For instance, she co- directed the publishing company “pict.im Kunst und Bücher” from 1997 to 1999. She is member of the editorial board of “Jahrbuch für Kulturmanagement” and organized a number of conferences and exhibitions such as the exhibition series “politics of research” (Berlin, 2007) as well as the interdisciplinary conference “Politik des Zeigens” (together with Hans Ulrich Gumbrecht, Zeppelin University, 2011).

Fields of research

contemporary art; artistic labor and studio practice; artistic epistemology; theory and history of curating and exhibiting; art and aging; art and theory of emotion

IKKM Research Project

Das iMuseum – Aufforderung zur kollateralen Weltaneignung

Unternehmen und Städte in aller Welt eröffnen Museen. Spezialisierte Architekten und Szenografen entwickeln dafür immer exaltiertere Displaystrategien. Was aber macht das museale Zeigedispositiv und seine Art der Erkenntnisvermittlung so attraktiv, dass es eine solche Konjunktur erfährt?
Das Museum als Dispositiv markiert und exponiert Objekte; es lädt sie auf, transformiert Dinge in ihrem ontologischen Status und verleiht ihnen Bedeutung. Museen verwandeln Objekte in Exponate, in Fetische und Träger des Imaginären. Sockel, großzügige Räume, Medientechnik, Texte oder eine auffällige Lichtregie erzeugen Präsenz und dienen der Vermittlung von Erfahrungen, Informationen und Erkenntnissen.
Wenngleich sich diese musealen Modi des Zeigens weltweit längst etabliert haben, sind sie in ihrem epistemologischen Status bislang doch nur wenig analysiert worden. Daher spricht vieles dafür, die konkrete Praxis des Ausstellens und deren mentalitätsgeschichtliche Verankerung exemplarisch zu untersuchen, zumal eine Analyse musealer Zeigepraxis auch ein Schlüssel zum Verständnis gegenwärtiger Subjektivierungsformen sein könnte. Als oft spezialisierte und sozial voraussetzungsreiche Institutionen, die in globalen wissenschaftlichen wie künstlerischen Diskursfeldern verankert sind, folgen Museen eben nicht allein bereits gesellschaftlich etablierten Aneignungsmodi, sondern entwerfen und experimentieren auch mit neuen Wahrnehmungsmöglichkeiten, modifizieren oder codieren diese. Deshalb provozieren die exzentrischen jüngeren Museumsbeispiele die Frage, inwieweit sich hier ein neuartiger Denk- und Subjektstil manifestiert.
Einen solchen neuen Museumstyp verkörpert der Louvre-Lens. Das 2012 eröffnete, von dem japanischen Architekturbüro SANAA entworfene Haus in Lens kommt weitgehend ohne Wände aus. Es ist durchdrungen von Medientechnologie und wird geprägt von sichtbaren (virtuellen) Archiven und Werkstatt-Hinterbühnen. Offensichtlich entwirft dieses Gebäude neue Zeigemodi und Erfahrungsräume, die in einem Spannungsverhältnis zu interpretativen bzw. hermeneutischen Vermittlungsstrategien stehen.
Worauf aber zielt dieser neue Museumstyp? Bilden die beeindruckenden Oberflächen eine raffinierte Form der Entdiskursivierung? Welche Subjekte werden hier antizipiert und hervorgebracht, welche Erkenntnisformen und Episteme ins Auge gefasst? In meinem Forschungsprojekt möchte ich durch kleinere Feldstudien untersuchen, inwieweit das Gebäudeensemble in Lens als Materialisierung der Bildungsvorstellungen des emotionalen Kapitalismus gelesen werden kann, als eine Bildungsumgebung der Generation IPad, die eine Form des Weltzugangs kultiviert, den ich – im Anschluss an Charles Sanders Peirce und Peter Osborne – kollateral und spekulativ nennen möchte, weil dabei Experimentieren und Interpretieren, Kombinieren und Beobachten sich wie beiläufig ereignen, ständig nebeneinander herlaufen und ineinandergreifen.

Publications

Monographs

with Ursula Pasero: BIG. Collateral Authorship and Working Practices in Large Scale Art Production (forthcoming)
with Jörg van den Berg, Sebastian Manhart: Kein Ende. Skulpturenprojekte an jüdischen Landfriedhöfen von Christiane Borland, Stefan Kern, Jörg Lenzlinger, Gerda Steiner, Thomas Locher und Richard Serra. Berlin: Kadmos 2003.
Die Passion zu malen. Zur Bildauffassung bei Matthias Gründewald. Duisburg/Berlin: pict.im 1997.
Der leibhafte Raum. Richard Serras Terminal in Bochum. Reihe KunstOrt Ruhrgebiet. Ostfildern: Edition tertium 1995.

Edited Books

with Ursula Pasero: Art Production Beyond the Art Market?. Berlin/New York: Sternberg Press 2013.
with Hans Ulrich Gumbrecht: Politik des Zeigens. München: Fink 2010.
with Ursula Pasero, Alihan Kabalak: Capitalism revisited. Anmerkungen zur Zukunft des Kapitalismus. Marburg: Metropolis 2010.
with Irene Müller: Andrea Wolfensburger. Zeit-Lupen (German/English). Luzern/Poschiavo: Edizioni Periferia 2007.

Articles

with Markus Rieger-Ladich, “Pssst! Zum hidden curriculum von Museum und Bibliothek”. In: Veronika Magyar-Haas, Michaela Geiss (eds.): Zum Schweigen. Macht und Ohnmacht in Erziehung, Bildung und Politik. (forthcoming)
“ ‘...when I’m no longer young and beautiful’. Bilder von Alten: Würde und Selbstachtung jenseits der Erfolgssemantik”. In: Querformat. Zeitgnössisches. Kunst. Populärkultur, 2014 (forthcoming)
“Fragile Productivity: Artistic Activities beyond the Exhibition System”. In: Karen van den Berg, Ursula Pasero (eds.): Art Production beyond the Art Market?. Berlin/New York: Sternberg Press 2013, pp. 45-76. “Ungefährliche Experimente – Das Studio als Labor”. In: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft, 57/2012, pp. 307-320.
“Zeigen, forschen, kuratieren. Überlegungen zur Epistemologie des Museums”. In: Karen van den Berg, Hans Ulrich Gumbrecht: Politik des Zeigens. München: Fink 2010, pp. 143-168.