Matthew Hockenberry ehem. Research Fellow

Matthew Hockenberry
Dezember 2017 - März 2018

Vita

Matthew Hockenberry ist Medienhistoriker und beschäftigt sich mit kritischen Entwicklungen in der Epistemologie der Herstellung und in der Vermittlung der Produktion. Bei seinen Forschungen zur Geschichte der Logistik, die durch ein IHR-Mellon Fellowship des Institute of Historical Research der University of London, ein Smithsonian’s Lemelson Center Fellowship des National Museum of American History und ein Kranzberg Fellowship der Society for the History of Technology gefördert wurden, hat er die Auswirkungen von Medienformen und materiellen Praktiken auf die dezentrale Produktion im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert untersucht.

Als Gastwissenschaftler am MIT Center for Civic Media and Tangible Media Group hat er Sourcemap entwickelt, eine Kollaborationsplattform zur Abbildung von Lieferketten, die sichtbar macht, “woher die Dinge kommen”. Zurzeit ist er Research Associate im Department of Media, Culture and Communication der New York University.

Forschungsschwerpunkte

Mediengeschichte, Epistemologie der Vermittlung, Forschung zu Lieferketten, Geschichte der Telekommunikation, Technik- und Technologiegeschichte, Anthropologie mobiler Medien, Medienarchäologie

IKKM Forschungsprojekt

Methoden der Fernsteuerung

Unsere Welt ist eine Welt der Fernsteuerung – nicht nur, weil wir mit einer Fernbedienung unsere Fernseher, Stereoanlagen und andere Mediensysteme regeln. Über unserer Welt wölbt sich ein Himmel, von Drohnen bevölkert, die aus verstörend großen Entfernungen alles –sogar den Tod – senden können, sie ist voller Leuchten, Sperrmechanismen und aller möglichen Dinge, die angeklickt und von Apps, automatischen Assistenten und den wunderbar mobilen Geräten, die sie beherbergen, gelenkt werden. Sogar die privilegiertesten und privatesten Räume für menschliche Körper sind mit Sensoren und Signalfunktionen ausgestattet, deren finessenreiche Firmware ferne Funktionsträger ständig steuern. Wie ist die Welt zu etwas geworden, das so erkennbar unserem Zugriff ausgesetzt, durch unsere Handlungen direkt manipulierbar und so klein ist?

Vor fast hundert Jahren nahm der Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes diese Verhältnisse exakt vorweg, als er über die damals neuen Technologien und Techniken zur Organisation ferngesteuerter Abläufe nachdachte. In seiner Zeit, schrieb er, konnte „ein Mann von Fähigkeiten und Charakter“ einfach „telefonisch von überall auf der Welt die verschiedensten Produkte bestellen ... und berechtigterweise erwarten, dass sie ihm in kurzer Zeit bis vor die Haustüre geliefert würden“. Tatsächlich werden die Hausgeräte dieser Wenigen mittlerweile vielleicht durch ein Telefon oder einen Funkempfänger gesteuert, doch wenn man nur wenige Jahrhundert zurückgeht, findet man durchaus Ähnliches in den Händen von Dienern und Sklaven.

Meine These lautet: Steuerung bedeutet nicht nur den unmittelbaren Effekt der Wechselwirkung, sondern auch die Errichtung der Positionen und Hierarchien von Elementen sowie die Ansprache des von ihnen gebildeten Systems. Zwar scheint die gestenhafte Interaktion der Fernsteuerung in den privaten Bereich von Mensch und Maschine begrenzt, ich zeige jedoch auf, dass sie darüber hinaus einen breiteren Gestus des Aufzeigens besitzt [demonstration oder domination?] – den der Herrschaft des Herrn über den Diener. Die Fernsteuerung – ob in Gestalt der TV-Fernbedienung, des Plantagenaufsehers oder des Satellitenbildschirms – wird zum anaphorischen Index des Systems, der die Strukturen der Steuerung verstärkend und bestätigend auf alle der mit dem System verbundenen Bestandteile ausdehnt, Strukturen, die wir nun auf alle denkbaren Arten von Vorgängen, Apparaten und Anwendungen ausgeweitet finden.

Jüngste Publikationen

“Material Epistemologies of the (Mobile) Telephone,” in: Anthropology Quarterly (im Erscheinen, 2018)

“マイコンソフト FRAMEMEISTER アップスケーラーユニット XRGB-mini” in: Our Lives With Electric Things, Cultural Anthropology ( 2017)

“Inkonvensional Pathways: Soldered Supply Chains From Indonesia's Tin Islands,” in: Objects in Motion: Globalizing Technology. Washington DC: Smithsonian Scholarly Press (2016)