Peter Heinrich Jahn Ehem. Research Fellow

Peter Heinrich Jahn
Januar 2010 - Juni 2011

Vita

Peter Heinrich Jahn absolvierte von 1989-1996 ein Studium der Byzantinischen sowie Mittleren und Neueren Kunstgeschichte, der Neueren deutschen Literatur und der Geschichte des Mittelalters an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und beendete dieses mit dem Titel eines Magister Artium der Mittleren und Neueren Kunstgeschichte. Während des Studiums (1992-95) wirkte er als Tutor am Institut für Kunstgeschichte der LMU. Nach Abschluß desselben arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent 1996-98 im Pressereferat des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, München, sowie 2000 am Zentralinstitut für Kunstgeschichte im Rahmen des Pilotprojekts einer Internationalen Sommer-Akademie zum Thema „A Century of Progress. Die Künste im Zeitalter der Weltausstellungen 1851-1939“. Zwischenzeitlich, 1998, nahm er am Studienkurs „Das barocke Gesamtkunstwerk“ der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Rom, teil sowie ein weiteres Mal an einem solchen 2004 zum Thema „Filippo Juvarra“. Seit 1998 bis gegenwärtig ist er freier Mitarbeiter am Barockprogramm der NGO Museum With No Frontiers, Brüssel. 2000 begann er ein Promotionsstudium an der Universität Augsburg mit einer von Prof. Dr. Andreas Tönnesmann betreuten Dissertation über die Sakralbauten des österreichischen Barockarchitekten Johann Lucas von Hildebrandt (1668-1745). Die Promotion erfolgte ebenda 2006 durch die Philologisch-Historische Fakultät. Von 2004 an hat er diverse Lehraufträge in Architekturgeschichte an den Technischen Universitäten München und Dresden sowie den Universitäten München (LMU) und Hamburg erhalten, und seit 2008 arbeitet er im Rahmen von Werkverträgen als Architekturhistoriker bei den Staatlichen Schlösser, Burgen & Gärten Sachsen, Dresden, für das museumsdidaktische Projekt „Zwingerteam – computergestützte 3D-Visualisierung von Planungs- und Bauphasen des Dresdner Zwingers“. Am IKKM wird im Rahmen des Research-Fellow-Programms „Werkzeuge des Entwerfens“ das Forschungsprojekt „imitatio & disegno geometrico. Inventionsbegriff und Planungsprozeß des römischen Architekten Carlo Fontana (1638-1714) und seiner Schule“ verfolgt.

Forschungsprojekt

imitatio & disegno geometrico. Inventionsbegriff und Planungsprozeß des römischen Architekten Carlo Fontana (1638-1714) und seiner Schule

Seit langem schon ist erkannt, dass der päpstliche Architekt Carlo Fontana (1638-1714) als bedeutendster Schüler des berühmten Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) eine Schlüsselrolle bei der spätbarocken internationalen Ausbreitung der römischen Architektur einnahm, indem er zahlreiche ausländische Schüler ausbildete, darunter klangvolle Namen wie Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656-1723), Johann Lucas von Hildebrandt (1668-1745) oder Filippo Juvarra (1678-1736), dass er außerdem die Autonomisierung des Architektenberufes in Richtung Professionalität vorantrieb, indem er ein großes, arbeitsteilig organisiertes Atelier unterhielt, quasi ein Vorläufer moderner Architekturbüros, dass er bei der zeichnerischen Visualisierung seiner Entwürfe die sachlich-objektive Orthogonalprojektion, von ihm als disegno geometrico bezeichnet, der suggestiven Perspektive vorzog, und dass er eine synthetisierende Entwurfsmethode praktizierte wie propagierte, welche, dem rhetorischen Prinzip der imitatio verpflichtet, auf dem Verschmelzen von Teilen beziehungsweise Motiven kanonisch gewordener antiker wie frühneuzeitlicher Architekturvorbilder basierte. Mit diesen Einsichten, die vier Kernpunkte von Carlo Fontanas architekturgeschichtlicher Bedeutung umreißen, hat sich die Forschung bislang auf eine unbefriedigend pauschalisierende Weise zufriedengegeben, sind doch weder das Funktionieren seiner Entwurfsmethode noch das seines orthogonalen Planungsverfahrens und die daraus sich ergebenden Zusammenhänge detailliert wie systematisch untersucht worden. Das am IKKM verfolgte Forschungsvorhaben will diese Lücke des Erkenntnisweges schließen helfen, um dadurch zu tieferen Einsichten hinsichtlich der praktischen Rolle der orthogonal projizierten Risszeichnung im Werkstattbetrieb zu gelangen. Besondere Berücksichtigung gilt dabei deren Medialität und diesbezüglich auch deren Handlungsmacht innerhalb eines Entwurfsprozesses, welcher normativ durch einen Vorbilderkanon determiniert ist.

Forschungsschwerpunkte:

  • frühneuzeitliche architektonische Entwurfs- und Planungsverfahren
  • Korrelation architektonischer Planungs- und Bauprozesse der Frühen Neuzeit
  • Architektur als visuelles Medium (Architekturikonologie)
  • architekturgeschichtliche Theoriebildung im späten 19./frühen 20. Jahrhundert
  • Ausbildung und Bildungsreisen von Künstlern und Architekten und die dadurch bewirkte Stilbildung
  • Architektur des internationalen römischen Spätbarocks, insbesondere dessen Einwirken auf Süddeutschland einschließlich Österreich-Böhmen
  • frühbarocke Architektur in Süddeutschland inklusive Tirol mit Focus auf der Rezeption italienischer Bau‑ bzw. Ornamentformen
  • computergestützte Vermittlung von Kunst und Architektur