Sybille Krämer Ehem. Senior Fellow

Sybille Krämer
Oktober 2012 - März 2013

Vita

Sybille Krämer (born 1951) is Professor of Theoretical Philosophy at Freie Universität Berlin. Having studied philosophy, history and social sciences in Hamburg and Marburg, she received a PhD in philosophy at Philipps-Universität Marburg, where she worked as assistant professor between 1982 and 1989. In 1988, she completed her habilitation titled "Berechenbare Vernunft. Kalkül und Rationalismus im 17. Jahrhundert". Krämer has been visiting professor at the Vienna University of Technology (1993), at the University of Music and Performing Arts in Vienna (2005/2006/2007), at the Universities of Zurich (2006), Luzern (2008 / 2010) and Graz (2011). Krämer also held several fellow- and memberships, most notably, she was a founding member of the Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik at Humboldt-Universität zu Berlin in 2000. From 2000 to 2006, she was a member of the Wissenschaftsrat. Since 2006, she is a permanent fellow at the Wissenschaftskolleg Berlin, since 2007 she is member of the Scientific Panel of the European Research Council, and since 2008, she holds the chair of the graduate school “Notational Iconicity” at Freie Universität Berlin.

Forschungsgebiete

Philosophical rationalism; theory of mind and cognition; philosophy of language, writing, diagrammatics and the image; fundamental questions of cultural philosophy; performance and media theory; symbolic machines, computers and the cultural technique of formalization.

IKKM Forschungsprojekt

‘Epistemologie der Fläche’. Grundzüge einer Diagrammatologie

Zwischen der ‘Realität’ und dem ‘Imaginären’ liegt eine intermediäre Welt graphischer Artefakte wie Schriften, Notationen, Diagramme, Graphen und Karten. Alle dieser Formen der diagrammatischen Inskription gehen aus einer Interaktion von Fläche, Linien und Punkten hervor. Worin nun bestehen deren epistemologische Funktionen? Die leitende Hypothese ist, dass das Diagrammatische eine Verbindung zwischen dem Sinnlichen und dem Denkbaren stiftet: Es überbrückt die Kluft zwischen Begriff und Anschauung, wie es zugleich auch die Unterscheidung beider überhaupt erst eröffnet. Ausgehend von einer Reflexion exemplarischer Formen diagrammatischen Denkens in der Philosophie, werden erste Schritte in Richtung einer ‚Epistemologie der Flächigkeit‘ und einer ‚Erkenntniskraft der Linie‘ skizziert: (1) Raumrelationen werden zur Orientierung im Denken genutzt. (2) Der Raum diagrammatischer Inskriptionen illustriert nicht einfach, sondern ist ein operativer Raum, in welchem Hand, Auge und Geist beim Entwerfen, Problemlösen und Beweisen zusammenarbeiten: so entsteht das ‚Auge des Denkens‘. (3) Diagrammatische Räumlichkeit hat ein Doppelgesicht: Sie ist zugleich eine wahrnehmbare, konkrete Fläche und ein nicht-empirischer, abstrakter Raum. (4) Die diagrammatische Inskription ist Visualisierung eines Nichtsichtbaren und Verräumlichung eines zumeist Unräumlichen. So werden theoretische Sachverhalte dem Register der Anschauung und der Sinnlichkeit zugeführt. Was das bedeutet wird anhand von vier Philosophen untersucht: Platon, Descartes, Kant und Wittgenstein. Die Monographie soll im Frühjahr zum Abschluss kommen.

Publikationen

Monographien

Medium, Bote, Übertragung. Kleine Metaphysik der Medialität, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2008.
Berechenbare Vernunft. Kalkül und Rationalismus im 17. Jahrhundert, Berlin, New York: de Gruyter 1991.
Symbolische Maschinen. Die Idee der Formalisierung in geschichtlichem Abriß, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1988.
Technik, Gesellschaft und Natur. Versuch über ihren Zusammenhang, Frankfurt am Main, New York: Campus 1982.

Herausgeberschaften

mit Sibylle Schmidt and Ramon Voges: Politik der Zeugenschaft. Zur Kritik einer Wissenspraxis, Bielefeld: transcript 2011.
mit Gernot Grube and Werner Kogge: Schrift: Kulturtechnik zwischen Auge, Hand und Maschine, München: Fink 2005.
Performativität und Medialität, München: Fink 2004.
mit Horst Bredekamp: Bild Schrift Zahl, (book series Kulturtechnik) München: Fink (2003), second edition, 2008.

Artikel

Vom Nutzen der Schriftbildlichkeit. Editorial. In: Sprache und Literatur, 107, 42. Jahrgang, 1-5, 2011.
Notationen, Schemata, Diagramme: Über ‚Räumlichkeit‘ als Darstellungsprinzip. Sechs kommentierte Thesen, in: Gabriele Brandstetter, Franck Hofmann and Kirsten Maar (eds.): Notationen und choreographisches Denken, Freiburg im Breisgau: Rombach Verlag 2010, p. 27- 45.
Operative Bildlichkeit. Von der ‘Grammatologie’ zu einer ‘Diagrammatologie’? Reflexionen über erkennendes Sehen, in: Martina Hessler and Dieter Mersch (eds.): Logik des Bildlichen. Zur Kritik der ikonischen Vernunft, Bielefeld: transcript 2009, p. 94-123.
Karte, Kartenlesen, Kartographie. Kulturtechnisch inspirierte Überlegungen, in: Philine Helas et al. (eds.): Bild/Geschichte, Berlin: Akademie-Verlag 2007, p. 73-82.
Technik als Kulturtechnik. Kleines Plädoyer für eine kulturanthropologische Erweiterung des Technikkonzeptes, in: Klaus Kornwachs (ed.): Technik – System – Verantwortung, Münster/London: Litt 2003, p. 157-164.