Wolfram Pichler Ehem. Senior Fellow

Wolfram Pichler
Oktober 2012 - März 2013

Vita

Wolfram Pichler (born 1968) is an Assistant Professor at the Institut für Kunstgeschichte of the University of Vienna since 2006. After his studies of art history and philosophy, mathematics and archeology, he did his habilitation in 1999 at the University of Vienna, followed by a research stay as visiting fellow at the Graduate School of Arts and Science at Harvard University in 2000. In 2003/04, he was a postdoctoral scholar at the Department of Art History at the Max-Planck-Institute in Florence. Furthermore, he was a member of the Research Project „Knowledge in the Making“ of the Max-Planck-Institute for the History of Science in Berlin and the Department of Art History in Florence from 2007 to 2011. Besides the organization of a multitude of conferences and lectures, Wolfram Pichler has been academic advisor for art exhibitions such as "Aby Warburg – Mnemosyne" in Hamburg and Vienna (1994). He also founded the Gesellschaft für Kulturwissenschaften und Bildtheorie of Vienna together with Werner Rappl and Gudrun Swoboda in 1996.

Forschungsgebiete

Picture theory; theory and History of Drawing; problems of art since 1800; topology within pictorial discourses.

IKKM Forschungsprojekt

Bildtheorie, eine Einführung

Zusammen mit Ralph Ubl (Universität Basel) arbeite ich zur Zeit an der Abfassung einer Einführung in jenes heterogene Forschungsfeld, das man als Bildtheorie bzw. ikonische Kritik (iconic criticism) kennt. Angesichts einiger begrifflicher Werkzeuge und historischer Einsichten, wie sie die gegenwärtige Forschung zu Kulturtechniken verfügbar machte (ganz abgesehen von den starken theoretischen Einflüssen, die die besondere Konstellation der Senior Fellows von 2012/13 erwarten lässt), wird mein Aufenthalt am IKKM von vielleicht entscheidender Bedeutung für die Realisierung des Projektes sein. – Aller Voraussicht nach werden wir von der wieder gestellten Frage, was Bilder sind oder potentiell sein könnten, ausgehen und einige klassische Argumente zu den umstrittenen Rollen von Ähnlichkeit und Wiedererkennen in der Definition von Bildern prüfen. Auf einer ersten Ebene wird es unsere Einführung also mit Definitionen zu tun haben. Zur Vorbereitung einer zweiten Stufe dürfte es hilfreich sein zu erkennen, dass das Problem, wie Bilder zu definieren sind, nicht auf das Feld der Theorie beschränkt, sondern in gewissem Sinne auch dem Machen von Bildern inhärent ist. Wir werden also andere Framing-Werkzeuge in den Blick nehmen und sehen, wie Bilder sich gegen andere Bilder und Dinge, die keine Bilder sind, abheben – aber damit auch verbunden sind. Das führt zu einer allgemeineren Diskussion verschiedener Dispositive von Bildern, etwa lineare und planare Ordnungen, Perspektiven usw. Im Zusammenhang dieser Erörterungen sollte klar werden, dass weder Einzigartigkeit noch Identität des Bildes für selbstverständlich zu nehmen sind, und es bisweilen – statt zu fragen: „Was ist ein BILD?“ – erhellender sein könnte, einen kleinen Betonungswechsel zuzulassen und die Frage neu so zu stellen: Was ist EIN Bild? Was sind mögliche Kriterien der Identität von Bildern? Und was sind die Bedingungen ihrer Einheit (wenn Einheit eine offene Frage ist)? – Sind also damit Definitionen und Dispositive zwei Hauptthemen unserer Überlegungen, so werden wir auf einer dritten Ebene wohl mit Praktiken und/oder kulturellen Techniken befasst sein. Bilder sind unter den Bedingungen von – und sind umgekehrt selbst konditioniert durch – Praktiken, die nicht nur mit Wahrnehmung, Kommunikation und Kognition in Zusammenhang stehen, sonder auch mit Akten der Einschüchterung, Provokation – und selbstverständlich der Repräsentation (im Sinne eines: Einrückens für). In der Betrachtung dieser Praktiken werden wir zu fragen haben, was mit Bildern getan werden könnte und kann, und was es bedeutet zu sagen, gewisse Bilder hätten ein eigenes Handlungsvermögen. – Alle drei Themen – die Abhandlung von Definitionen, ikonischen Dispositiven und Praktiken – verschaffen uns natürlich reichlich Gelegenheiten, Konzepte und Argumentationen einzuführen und zu verwenden, wie sie in der Philosophie, Theologie, Psychologie (einschließlich Psychoanalyse), Kunstgeschichte und Medientheorie ausgearbeitet wurden Was wir dabei nicht anstreben, das ist so etwas wie eine Synthese aus verschiedenen Strängen der Bildtheorie. Wir wollen im Gegenteil ihre Differenzen betonen und deutlicher sehen, dass (und warum) der Begriff des Bildes zugleich heterogen und umstritten bleibt.

Publikationen

Herausgeberschaften

mit Richard Heinrich, Elisabeth Nemeth and David Wagner (eds.): Image and Imaging in Philosophy, Science and the Arts, 2 volumes (= Proceedings of the 33d International Ludwig Wittgenstein-Symposium in Kirchberg, 2010), Frankfurt/Paris/Lancaster/New Brunswick: Ontos, 2011.
mit Ralph Ubl (eds.): Topologie. Falten, Knoten, Netze, Stülpungen in Kunst und Theorie. Wien: Turia und Kant, 2009.
with Friedrich Teja Bach (eds.): Öffnungen. Zur Theorie und Geschichte der Zeichnung. München: Fink, 2009.
mit Edith Futscher, Stefan Neuner und Ralph Ubl (eds.): Was aus dem Bild fällt. Figuren des Details in Kunst und Literatur (Friedrich Teja Bach zum 60. Geburtstag), München: Fink, 2007.
mit Marianne Koos, Werner Rappl und Gudrun Swoboda (eds.): Aby M. Warburg - Mnemosyne. Zur Ausstellung im Kunsthaus Hamburg. Hamburg/München: Dölling und Galitz, 1994. 2. erw. Auflage 2006.

Artikel

Zur Kunstgeschichte des Bildfeldes, in: Gottfried Boehm and Matteo Burioni (eds.): Der Grund. Das Feld des Sichtbaren. München, 2011 (forthcoming).
Afterword. Configurations of the Image, in: Jim Elkins and Maja Naef (eds.): What is an Image? Chicago, 2011. Topologie des Bildes. Im Plural und im Singular, in: David Ganz and Felix Thürlemann (eds.): Das Bild im Plural. Mehrteilige Bildformen zwischen Mittelalter und Gegenwart. Berlin, 2010, p. 111-132.
Bildoberflächen, topologisch gewendet. Zur Kunstgeschichte des Möbiusbandes seit ca. 1935, in: Thomas Eder and Juliane Vogel (eds.): Lob der Oberfläche. Zum Werk von Elfriede Jelinek. München, 2010, p. 19-48.
Topologische Konfigurationen des Denkens und der Kunst, in: Wolfram Pichler and Friedrich Teja Bach (eds.): Öffnungen: zur Theorie und Geschichte der Zeichnung. München: Fink, 2009, p. 13-66.
Goyas Tele-Graphie, in: Inka Mülder-Bach and Gerhard Neumann (eds.), Räume der Romantik. Würzburg: Königshausen und Neumann, 2007, p. 239-276. Metamorphosen des Flussgottes und der Nymphe: Aby Warburgs Denk-Haltungen und die Psychoanalyse (with Gudrun Swoboda and Werner Rappl), in: Lydia Marinelli (ed.), Die Couch. Vom Denken im Liegen (Ausst.-Kat. Sigmund Freud-Museum, Wien), München/Berlin/London/New York: Prestel, 2006, p. 161-186.

Übersetzungen

Georges Didi-Huberman: Der Strich, die Strähne (org.: Le trait, la traîne, with Miriam Lukasser), in: Wolfram Pichler and Ralph Ubl (eds.): Topologie. Falten, Knoten, Netze, Stülpungen in Kunst und Theorie. Wien: Turia und Kant, 2009.
Eric de Bruyn: Topologische Wege des Postminimalismus (org.: Topological Pathways of Post-Minimalism), in: Wolfram Pichler and Friedrich Teja Bach (eds.): Öffnungen: zur Theorie und Geschichte der Zeichnung. München: Fink, 2009.