Elena Vogman Research Fellow

Elena Vogman

Vita

Elena Vogman ist Autorin, Literaturwissenschaftlerin im Forschungsprojekt „Rhythmus und Projektion“ an der Freien Universität, Berlin und Kuratorin. Im Fokus ihrer Forschung stehen Formen des visuellen Denkens, Anthropologien des Rhythmus, Montagepraxis, Wechselwirkung zwischen Literatur, Ethnographie und dokumentarischer Praxis. Sie promovierte in 2016 über „Sinnliches Denken. Eisensteins exzentrische Methode“; das gleichnamige Buch erschien 2018 im Verlag diaphanes. Das zweite Buch mit dem Titel Dance of Values. Sergei Eisenstein’s Capital Project (2019) rekonstruiert anhand der Archivmaterialien die ästhetischen und politischen Implikationen der Werttheorie in Eisensteins „Kapital“-Projekt (1927-1928). Gemeinsam mit Marie Rebecchi und Till Gathmann kuratierte sie die Ausstellung „Sergei Eisenstein: The Anthropology of Rhythm“ bei Nomas Foundation in Rom (2017). Die Ausstellung eröffnete im April 2018 in den Räumen des diaphanes Verlags in Berlin. In ihrem Postdoc-Projekt „Irrlinien: Milieutheorien und Kino nach Sergej Eisenstein und Fernand Deligny“ untersucht sie anhand von Fallstudien und Archivmaterialien die Wechselwirkung zwischen Milieutheorien und Kino.

Forschungsfelder

History and theory of cinema and media, forms of visual thinking, practices of montage, relations between literature, ethnology, art and science.

IKKM Forschungsprojekt

Irrlinien: Milieutheorie und Kino nach Sergej Eisenstein und Fernand Deligny

Das Postdoc-Projekt rekonstruiert die Wechselwirkung zwischen Milieutheorien und Kino anhand von zwei Fallstudien – dem Werk des sowjetischen Filmregisseurs und Theoretikers Sergej Eisenstein und des französischen Sozialpädagogen, Regisseurs und Theoretikers Fernand Deligny. Auf der Grundlage einer Recherche in den jeweiligen Archiven soll im Rahmen des Projekts untersucht werden, wie die Milieutheorie für beide Autoren zu einem operativen epistemischen und ästhetischen Paradigma avancierte. Die Entwicklung, die beide Autoren rezipieren, ist die Neuformulierung der Milieutheorie in der Biologie und Psychologie des frühen 20. Jh., in der ein deterministisches Verständnis des Milieus verabschiedet wird und der Begriff sich zu einer relationalen und operativen Kategorie entwickelt. In den Studien zur Tierwarnehmung von Hans Volkelt, in der Umwelttheorie von Uexküll, in der in Zusammenarbeit mit ihm entstandenen Entwicklungspsychologie Heinz Werners oder in der biologischen Tierpsychologie Friedrich Hempelmanns – um hier nur einige der direkten Quellen von Eisenstein und Deligny zu nennen – wird das Milieu bzw. die Umwelt nicht mehr als Invariante, nicht mehr als neutraler und homogener Ort konzipiert, welcher den darin bestehenden Beziehungen zwischen atomistischen Entitäten vorausgeht, sondern als ein labiler Raum, in dem Organismen und Umwelt erst durch ihre dynamische Wechselbeziehungen bestimmt werden können.

Ausgewählte Publikationen

Monographien:

Elena Vogman: Dance of Values. Eisenstein’s Capital Project, Zürich-Berlin: Diaphanes, (erscheint im Februar 2019)

Elena Vogman: Sinnliches Denken. Eisensteins exzentrische Methode, Zürich-Berlin: Diaphanes, 2018.

Marie Rebecchi, Elena Vogman, in Zusammenarbeit mit Till Gathmann: Sergei Eisenstein and the Anthropology of Rhythm, Rom: Nero, 2017

Herausgeberschaften:

Hg. mit Simon Ganahl: Topologien der Erfahrung, in: Le foucaldien, 3/1, 2017, URL: https://foucaldien.net/collections/special/topologien-der-erfahrung/

Hg. mit Mira Fliescher: Georges Didi-Huberman, Der Kubus und das Gesicht. Im Umkreis einer Skulptur Alberto Giacomettis, mit einem Nachwort von Elena Vogman und Mira Fliescher, Zürich-Berlin: Diaphanes, 2015.

Hg. mit Mira Fliescher und Lina-Maria Stahl: Umreißen. Die Eigenwege des Zeichnens, Zürich-Berlin: Diaphanes, 2014

Artikel:

„Dance of Values. Reading Eisenstein’s Capital“, in: Grey Room Vol. 72 (2018), S. 94-124.