Emanuele Coccia

Emanuele Coccia
April-Juli 2019

Vita

Emanuele Coccia ist maître de conférences an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris. Als Forscher und Lehrer war er in unterschiedlichen Positionen an den Universitäten von Berkeley, Buenos Aires, Curitiba, Düsseldorf, Florenz, Florianopolis, Freiburg, New York und Tokyo tätig. Nach seiner Promotion in mittelalterlicher Philosophie und Philologie an der Universität Florenz erhielt er Postdoc-Stipendien am Max-Planck-Institut in Frankfurt am Main, am CNRS und an der Universitat Autonoma di Barcelona. Er war wissenschaftlicher Assistent an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Er unterrichtet regelmäßig an Modeschulen. Er war eingeladener Professor an den Universitäten von Buenos Aires, Tokio und Düsseldorf und forschte ein Jahr lang an der Italian Academy for Advanced Studies in America der Columbia University in New York. Nach Arbeiten zur Geschichteder europäischen Normativität und zur Ästhetik stehen heute Konzeptionen des Lebenseinerseits und der ontologische Status sowie die normative Kraft von Bildern in der Mode und der Werbung andererseits im Zentrum seiner Forschung. Zu seinen Publikationen zählen Die Wurzeln der Welt. Eine Philosophie der Pflanzen(2018), Das Gute in den Dinge. Werburng als moralischer Diskurs (2017), La vie sensible (2010). Zusammen mit Giorgio Agamben hat er eine umfassende Anthologie ueber Engel im Judentum, Christentum und Islam: Angeli. Ebraismo Cristianesimo Islam 2009). Zusammen mit Donatien Grau hat er ein Buch zur Entstehung des concepts store (The Transitory Museum 2018)

IKKM Forschungsprojekt

In modernen globalisierten Gesellschaften sind es Bilder, mehr als Worte, die für die Gestaltung sozialer Bräuche und Praktiken verantwortlich sind; seit der Erfindung des Kinos und des Fotojournalismus bis hin zur Dominanz der ikonischen Kommunikation in sozialen Netzwerken wie Instagram oder Snapchat scheinen zeitgenössische Gesellschaften ihre tiefsten und effektivsten Regeln ikonisch auszudrücken und zu formulieren. Umgekehrt werden Bilder, die in der Vergangenheit vor allem eine ästhetische, dekorative oder - seltener - kognitive Funktion hatten, heute mehr und mehr zu den Organen einer neuen Form kollektiver Normativität und individueller Psychagogik. Die Geburt der Werbung reagiert tatsächlich auf die Notwendigkeit, Bilder zum wichtigsten Werkzeug für die Formulierung sozialer Normen zu machen. Umgekehrt hat die Werbung den Status der Bilder selbst verändert. Mit der Werbung haben wir zum ersten Mal die bewusste und massenhafte Produktion von Bildern gesehen, deren Hauptfunktion nicht mehr die bloße Vermittlung von Informationen ist, noch die Produktion von ästhetischen Gefühlen von Vergnügen und Unmut, sondern die Verwirklichung einer Norm. Werbebilder können weder aufgrund ihres Inhalts (ein exklusives Objekt) noch aufgrund ihrer einzigartigen Form (eine Fachsprache) oder einer besonderen Botschaft (konkrete Vorschläge zum Verkauf oder Einkaufen) erkannt und von anderen Arten von Bildern oder ikonische Strukturen getrennt werden. Ein Bild wird zum Werbebild, nur weil es eine normative Aufgabe erfüllt, und nicht wegen einiger materieller oder formaler Merkmale. Aber diese normative Funktion folgt im gleichen Maße Mustern, die sofort erkennbar sind. Werbebilder sind keine spezielle Klasse von Bildern mit einem besonderen Inhalt, sondern nur Bilder in ihrer normativen Kraft, Bilder, soweit sie iene normative Funktion ausüben können. Diese normative Funktion ist eng mit ihrer Reproduzierbarkeit verbunden. Oder provokativ ausgdrückt: Für die Werbung sollten wir versuchen zu verstehen, was Normen sind und wie sie heute funktionieren; und um die Werbung zu erklären, müssen wir die gegenwärtigen Bedingungen verstehen, unter denen eine soziale Norm als Bild formuliert werden kann. Während meines Aufenthalts am IKKM werde ich mich besonders um die Mechanismen kümmern, die es ermöglichen, ein individuelles und subjektives Bewusstsein durch Bilder aufzubauen. Wie konstruieren wir unsere Identität durch die Verwendung von Bildern oder ikonischen Elementen? Inwieweit kann ein Bild zur materiellen und objektiven Bedingung der Möglichkeit werden, Ich sagen zu dürfen, und das eigene Selbstbewusstsein aufbauen zu können? Die Hypothese ist, dass Mode die Antwort ist, die die zeitgenössische materielle Kultur auf diese Fragen gibt.

Ausgewählte Publikationen

Bücher:

La vie des plantes. Une métaphysique du mélange Payot et Rivages, Paris 2016 (translated into English, Italian, German, Spanish, Brazilian Portuguese, Portuguese; Dutch, Japanese, and Turkish translations forthcoming)

Le Bien dans les choses Payot et Rivages, Paris 2013 (translated into English, Italian, German, Spanish)