Ido Ramati Visiting Scholar

Ido Ramati

Vita

Ido Ramati ist Minerva-Postdoktorand. In seiner Doktorarbeit "Lingua ex Machina: Medienarchäologie der hebräischen Inschriftmaschinen" (Hebräische Universität von Jerusalem) untersuchte er die Rolle der Medien bei der Neubelebung und Modernisierung des modernen Hebräisch seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und konzentrierte sich dabei auf Technologien wie Phonographenaufzeichnungen, Schreibmaschinen, den Telegraphen und später auf Computer. Im Allgemeinen untersucht seine Forschung die Beziehung zwischen Medientechnologien und -kultur und die Rolle, die technische Apparate bei der Gestaltung der Kontexte und Bedingungen für eine Reihe sozialer Phänomene in traditionellen Medien sowie in der zeitgenössischen digitalen Kultur spielen. Er kombiniert Kulturkritik mit historischer und theoretischer Analyse und untersucht, wie Sprache und Medien ideologische, politische, wirtschaftliche und kulturelle Prozesse beeinflussen, beispielsweise die Konstruktion sprachlicher und nationaler Identität.

Forschungsfelder

Kulturtechniken; Medientechnologien; Medien-Genealogie; Medienphilosophie; imaginäre Medien; Geschichte des modernen Hebräisch

IKKM Forschungsprojekt

Die hebräische Tastatur: Von Schreibmaschinen zu mobilen Medien

Was passiert, wenn eine alte Sprache auf moderne Technologie trifft? Dieses Projekt erforscht die Geschichte der hebräischen Tastatur, die maßgeblich zur Etablierung von Schreibweisen des Hebräischen beigetragen hat, einer Sprache, die nach zwei Jahrtausenden eine beispiellose Wiederbelebung durchgemacht hat. In den letzten 150 Jahren sind Tastaturen zunehmend Bestandteil der modernen Schreiberfahrung geworden, angefangen bei ihren Anfängen als Teil von Schreibmaschinen bis hin zur gegenwärtigen Verwendung von virtuellen Tastaturen in mobilen Medien (z. B. Smartphones). Eingebettet in zahlreiche alltägliche Medien bestimmen Tastaturen die materiellen Bedingungen für Alltagsaktivitäten, indem sie Schreibmöglichkeiten erleichtern und konditionieren. Dieses Projekt zielt darauf ab, die Geschichte der hebräischen Tastatur zu erstellen, die noch nicht geschrieben wurde. Ein solches Unterfangen erfordert eine detaillierte Analyse sowohl der technischen als auch der theoretischen Fragen, bei denen sich die hebräischen Tastaturen von ihren nicht-hebräischen Äquivalenten unterscheiden, beispielsweise hinsichtlich der Einstellung und des Designs der Tastaturen, ihrer Implementierung in tatsächlichen Geräten, wie sie die menschliche Nutzung der verschiedenen Technologien ermöglichen, sowie Praktiken und kulturelle Konzepte, die die hebräische Schrift in der Moderne bestimmen.

Eine vorläufige Archivrecherche über die Ursprünge der hebräischen Tastatur deutet tatsächlich darauf hin, dass die hebräische Tastatur seit Ende des 19. Jahrhunderts die grundlegenden Verhältnisse beim Schreiben, Editieren, Veröffentlichen und Verbreiten hebräischer Texte geändert hat. Hebräische Schriftsteller mussten sich an neue materialistische Bedingungen anpassen, die soziale und kulturelle Auswirkungen hatten: eine innovative Schreibpraxis, unterschiedliche Konzepte der Schriftsprache und ihrer Orthographie, eine neu konfigurierte Bedeutung der Handschrift und neuartige physische Möglichkeiten zum Schreiben hebräischer Tastaturen – alle diese Elemente bedeuteten weitreichende Änderungen in der hebräischen Schrift.

Dieses Projekt soll zum Verständnis der Geschichte der modernen hebräischen Kultur beitragen. Gleichzeitig soll es einen breiteren theoretischen Beitrag leisten, indem es sowohl Ähnlichkeiten als auch Unähnlichkeiten zwischen dem bisher wenig untersuchten Fall der hebräischen Tastaturen und dem stärker untersuchten Fall der lateinischen Tastaturen hervorhebt. Durch die Fokussierung auf eine semitische Sprache mit ihren einzigartigen Zeichen und ihrer Rechts-nach-Links-Ausrichtung werden westliche Medientechnologien (und die bisherige Forschung) neu kontextualisiert und aus einer nicht-lateinischen Perspektive betrachtet.

Ausgewählte Publikationen

I. Ramati. (forthcoming). “Media in the Dissemination of Land-of-Israel Songs,” Studies in Contemporary Jewry 31: Textual Transmission in Contemporary Jewish Cultures (theme issue), 26 pp.

I. Ramati. (forthcoming). “The Orientalized Phonograph: The Mechanical Recording of Oral Jewish Tradition,” Cultural Critique 102, 36 pp.

I. Ramati and A. Pinchevski. (2017). “Uniform Multilingualism: A Media Genealogy of Google Translate,” New Media & Society 20 (7): 2550–2565. Available at: https://doi.org/10.1177/1461444817726951

I. Ramati. (2015). “Walk on Water: Returning to Germany as Cultural Healing,” in: Cinematic Home-comings: Exile and Return in Transnational Cinema, ed. Rebecca Prime. London; Continuum, pp. 209–226.

I. Ramati. (2014). “Between Israel and Germany: Therapeutic Return to the Place of Trauma in Contemporary Israeli Cinema,” New German Critique 41(3), 123: 179–197.