Katrin Pahl

Katrin Pahl
Mai-September 2019

Vita

Katrin Pahl promovierte an der University of California in Berkeley im Fachbereich für Rhetorik. Neben ihrer Arbeit im Fachbereich für Germanistik und Romanistik ist sie Co-Direktorin des Programms für das Studium von Frauen, Gender und Sexualität an der Johns Hopkins University. Ihre Forschung liegt im Bereich der Affekt- und Emotionsstudien mit einem Schwerpunkt auf Geschlecht und Sexualität. Ihre drei Bücher befassen sich mit den erkenntnistheoretischen, ästhetischen und politischen Implikationen der Emotionalität und verlagern den Schwerpunkt von Subjektivität über Theatralität hin zu Geselligkeit. Ihr erstes Buch "Tropes of Transport: Hegel und Emotion" (Northwestern UP, 2012) zeigt, dass eine neue Analyse des Denkens von Hegel eine wichtige Quelle für die Theorie der Emotionalität darstellt. Es weist Emotionen als transformierende Kräfte aus, die einen aus sich heraus und zu einem anderen Selbst tragen, und führt unpersönliche Regungen ein wie entlassen, schwebend, anerkennen, erzittert und zerschlagen. Ihr jüngstes Buch „Sex Changes with Kleist“ (Northwestern UP, 2019) zeigt, dass Kleist auf die historische Geschlechtsumwandlung (um 1800), die im Aufkommen des zweiten Geschlechts bestand, durch Multiplikation der Geschlechtsumwandlungen reagierte. Anhand von Kleists Theater erörtert Pahl seine Wertschätzung für Inkohärenz, sein Experimentieren mit alternativen symbolischen Ordnungen, sein provokatives Verständnis von Emotionen und seinen campy Humor. Sie argumentiert, dass Kleist eine Ästhetik (oder im Sinne des IKKM eine operative Ontologie) des Doublierens entwickelt. Für "Transformative Translations: Cyrillizing and Queering" wurde Pahl mit dem Preis für den besten feministischen Artikel von der Coalition of Women in German ausgezeichnet. 2008 war sie Stipendiatin des Exzellenzclusters "Languages of Emotion" an der Freien Universität Berlin und gab die Kenneth Weisinger Memorial Lecture im Fachbereich für Vergleichende Literaturwissenschaft der University of California, Berkeley im Jahr 2016.

Forschungsfelder

– Deutsche Literatur und Philosophie in vergleichender Perspektive
(USA und Frankreich)
– Theorie, Poetik und Geschichte der Emotionalität, des Geschlechts und der
Sexualität
– Zeitgenössisches Theater und Multimedia-Kunst

IKKM Forschungsprojekt

Auf dem Weg zu einer queeren Fortpflanzung: Muster von Gewalt durcharbeiten. Eine Analyse von Literatur, Theater und Multimedia-Kunst

Meine Forschung beschäftigt sich mit der Behandlung sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt in zeitgenössischem Theater, dramatischer Literatur und Multimedia-Kunstpraxis. Wie begegnen diese Kunstwerke dem psychischen Leben der Gewalt und führen ihre historischen Reproduktions- und Übertragungsmuster vor? Wie versuchen sie, sich von Gewaltmustern zu lösen und das Freiheitspotential zu nutzen? Ich fasse die verschiedenen Strategien begrifflich als „queere Fortpflanzung“. Damit meine ich Wünsche und Praktiken der Intimität, Pflege, Schöpfung und Vermehrung, die sich aus einem dekonstruktivistischen Verständnis von (sexueller und geschlechtlicher) Identität ergeben. „Queere Fortpflanzung“ dient als Alternative zu „Reproduktion“, einem Begriff, der sowohl für die biologische Vermehrung als auch für die Wiederholung sozialer Normen verwendet wird. Unter dieser Überschrift entwickelt die Untersuchung ein Sensorium für neue, ungesehene und unbekannte Formen des queeren Lebens und schlägt vor, Verwandtschaft über die Apotheose des Menschen hinaus zu denken. Die Figur versucht, für die queere Politik die positive Kraft der Generativität – die kreative Kraft der Transformation und des Erfindens – zurückzugewinnen. Eine solche Kreativität und Zukunftsfähigkeit sind nur durch aktives Verlernen früherer Muster möglich. Ich werde diese Muster von Gewalt analysieren, wobei ich geschlechtsspezifische und sexualisierte Gewalt und Missbrauch innerhalb des größeren Zusammenhangs verorte, zu dem auch Praktiken und Lexika von ökologischer, wirtschaftlicher, politischer und militaristischer Gewalt gehören.

Ausgewählte Publikationen

Monographien:

SEX CHANGES WITH KLEIST, Northwestern University Press, May 2019.

TROPES OF TRANSPORT: HEGEL AND EMOTION, Northwestern University Press, 2012.

Herausgeberschaften:

EMOTIONALITY, a special issue of Modern Language Notes, 124:3 (2009).

Artikel: “Queer Procreation: Reading Kleist Plantwise” QUI PARLE: Critical Humanities and Social Sciences 28:1 (2019): 137-166.

“The Logic of Emotionality” PMLA: Publications of the Modern Language Association of America, special issue Emotions, eds. Katharine Ann Jensen and Miriam L. Wallace, 130.5 (2015): 1457-66.

“What a Mess” MODERN LANGUAGE NOTES, dossier Complexity and Simplicity: Twenty-first century perspectives, eds. Claudia Breger and Benjamin Robinson, 130:3 (2015): 528-53.

“Doublings and Couplings: the Feeling Thing in Valéry and Kleist” ZEITSCHRIFT FÜR MEDIEN- UND KULTURFORSCHUNG, 2011/1: 177-84.

“The Way of Despair,” Hegel and the Infinite: Religion, Politics, and Dialectic, ed. Slavoj Zizek, Clayton Crockett, and Creston Davis, New York: Columbia University Press, 2011, pp. 141-158.