Magdalena Gronau Visiting Scholar

Magdalena Gronau

Vita

Magdalena Gronau ist seit Dezember 2018 Erwin-Schrödinger-Stipendiatin des FWF (Fachbereich Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Universität Erfurt/IKKM, Weimar). Nach ihrer Promotion in Physikalischer Chemie (2012) untersuchte sie in ihrer zweiten, literatur- und kulturwissenschaftlichen Doktorarbeit die essayisischen Schriften des Biochemikers Erwin Chargaff (2016) und dessen Etablierung in den deutschen Feuilletons. Sie war Junior Fellow des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften in Wien sowie Gastwissenschaftlerin am Berliner Zentrum für Literatur- und Kulturforschung und der McGill University Montréal. Seit September 2016 arbeitet sie an der Universität Erfurt. Für ihre Forschungen wurde sie mit einer Reihe von Preisen und Stipendien ausgezeichnet, zuletzt mit dem Preis der H. und K.-Zuegg-Stiftung der Universität Innsbruck für die beste literaturwissenschaftliche Monografie (12/2017), dem Bader-Preis für die Geschichte der Naturwissenschaften für das Kooperationsprojekt Die Philologie der Physiker (03/2018, gem. mit Martin Gronau) und dem Caroline-von-Humboldt-Preis (12/2018).

Forschungsinteressen

Literatur- und Wissensgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Wissenschafts- und Kulturkritik, Gattungstheorie und -geschichte nicht-fiktionaler Prosa, Literatur und Journalismus.

IKKM Forschungsprojekt

„Verwaschene“ Physik und wackelige Bilder. Zur Unschärfe der Quantentheorie

Das Projekt nimmt Verhandlungen von Unschärfe in den Schriften bedeutender Quantenphysiker in den Blick. Als naturwissenschaftlich informierte literatur- und kulturwissenschaftliche Studie geht es insbesondere der (vermeintlichen?) epistemischen Schere zwischen der ‚präzisen‘ Formelschreibweise und der ‚unscharfen‘, mitunter bildhaft angereicherten und zumeist als defizitär eingestuften alltagssprachlichen Darstellung nach. Neben Verflechtungen mit zeitgenössischen Unschärfe-Diskursen wie dem optischen, fotografischen, kinematografischen oder (sprach-)philosophischen soll die Wirkung der Quantentheorie in anderen denn genuin wissenschaftlichen Milieus wie dem spirituell-religiösen untersucht werden. Die bis um 1900 in unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern offenbar werdende Erhöhung der Präzision und die Verfeinerung von Mess- und Darstellungsinstrumenten wird von einer gegenläufigen Tendenz begleitet – einer Neigung zur (auch und nicht zuletzt ästhetischen) Verwischung und Dekonturierung. These ist, dass gerade die immer wieder beklagte Unschärfe sich als Möglichkeitsbedingung für den Transfer wissenschaftlichen Wissens in andere Bereiche erweist, indem sie die Hermetik der Formalismen öffnet und quantentheoretische Denkfiguren so zu einem Inspirationspool und Ideenreservoir für Literatur, Esoterik, mitunter auch neuropsychologische Spekulationen und geisteswissenschaftliche Theoriebildung werden lässt.

Ausgewählte Publikationen

Kritische Essayistik im Spannungsfeld zwischen den Two Cultures. Das „zweite Leben“ Erwin Chargaffs (Monografie), Innsbruck 2018 (= Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft. Germanistische Reihe).

Historical Distance and Literary Re-Presentation. Ancient Battles in German Classical Studies (gemeinsam mit Martin Gronau). In: Sebastian Fink, Johanna Luggin: Battle Descriptions as Literary Texts. A Comparative Approach, ca. 50 S.

Fata Morgana. Phantasmen der Wissenschaft bei Friedrich de la Motte Fouqué. In: Urs Büttner, Ines Theilen (Hg.): Phänomene der Atmosphäre. Ein Kompendium, Stuttgart 2017, 143–153.

Kurz und knapp? Oder doch komplex? Wissen in Formeln. In: Michael Gamper, Ruth Mayer (Hg.): Kurz & Knapp. Erzählen und Wissen in kleinen Formen, Bielefeld 2017, 289–308.

Genre Trouble. Jörg Fauser zwischen Spiegel, Playboy und Gesamtausgabe. In: Gunhild Berg, Magdalena Gronau, Michael Pilz (Hg.): Zwischen Literatur und Journalistik. Generische Formen in Periodika des 18. bis 21. Jahrhunderts, Heidelberg 2016, 285–305.

Der Psychiater als Literat, der Literat als „Psichopat“, der „Psichopat“ als Psychiater. Zu den Fallgeschichten des Falls Oskar Panizza. Mit einem Seitenblick auf Foucault. In: Thomas Wegmann, Martina King (Hg.): Fallgeschichte[n] als Narrativ zwischen Literatur und Wissen, Innsbruck 2016 (= Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft. Germanistische Reihe 84), 195–223.