Noam Elcott Ehem. Senior Fellow

Noam Elcott
Juni 2017

Vita

Noam M. Elcott ist Associate Professor für moderne und zeitgenössische Kunst und Medien an der Columbia University, New York. Er hat Kunstgeschichte an der Columbia University studiert und erhielt 2009 seinen Doktortitel von der Princeton University. Von 2000 bis 2001 war er Fulbright Scholar in Berlin. Er erhielt zudem mehrere andere Fellowships, u.a. das Mellon Fellowship in Humanistic Studies (2002/2003) und das Charlotte Elizabeth Procter Fellowship der Princeton University (2007/2008). Er hat an vielen Universitäten Vorträge gehalten, u.a. am Museu de Arte de Rio (Brasilien), dem Österreichischen Filmmuseum in Wien, dem Institut national d'histoire de l'art (INHA) (Paris), dem Stedelijk Museum (Amsterdam), der Oslo National Academy of the Arts (Oslo), Tate Modern (London) und Eikones (Basel). Seit 2000 ist Noam M. Elcott Herausgeber der Zeitschrift „Grey Room“, die Artikel aus den Bereichen Architektur, Kunst, Medien und Politik publiziert.

Forschungsschwerpunkte

Moderne Kunstgeschichte; Geschichte und Fotografie; Filmgeschichte; Medientheorie und -geschichte

IKKM Forschungsprojekt

Phantasmagorisches Malen: Hans Richter, Theo van Doesburg und László Moholy-Nagy zwischen den Leinwänden

Das Projekt behandelt das erste Kapitel meines zweiten Buches „Art in the First Screen Age: László Moholy-Nagy and the Cinefication of the Arts“ (Kunst im frühen Zeitalter des Kinos: László Moholy-Nagy und die Verwandlung von Kunst in Kino), in dem es um zwei miteinander wettstreitende operative Ontologien der Leinwand geht. Genauer gesagt geht es um die Kunstleinwand und die Filmleinwand, die eine zentrale Rolle für essentialistische Definitionen von Kunst und Film spielen (Greenberg, Arnheim, et al.), welche wiederum von dem unangekündigten „Schirm“ (Bildschirm) unterschieden werden können, der von Avantgardekünstlern und -theoretikern wie Moholy-Nagy, Richter und van Doesburg verkündet wurde. In den essentialistischen Lesarten von Kunst in der Zwischenkriegszeit hat die Leinwand in ihrer Doppelbedeutung ihre Eigenschaften wie Flachheit und Viereckigkeit etc. in den Vordergrund gestellt, um in einem selbstkritischen Versuch die Grenzen der einzigartigen und eigentlichen Kompetenzbereiche des jeweiligen Mediums zu überschreiten (Greenberg). Ein alternativer Versuch bestand jedoch darin, einen Bildschirm zu konstruieren, der den (hegelianischen) Zusammenbruch von Bild und Betrachter, Kunst und Leben ermöglichte. Dieser Avantgarde-Bildschirm, wie ich durch eine akribische historische Analyse aufgezeigt habe, hatte alle Eigenschaften des phantasmagorischen Bildschirms, auch wenn zeitgenössische Kritiker und auch die jüngere Forschung diese Verbindung nicht gezogen haben. Im Falle der abstrakten Malerei und des Films in der Zwischenkriegszeit hing die Unterscheidung zwischen dem modernistischen Traum der Selbstreflexivität und dem avantgardistischen Traum, Kunst und Leben zu verbinden, von der ultradünnen Unterscheidung zwischen Kunstleinwand und Filmleinwand, von der Beanspruchung und Auflösung von Grenzen ab. Diese Lesart ist nur möglich durch die Synthese von Medienarchäologie und einer gründlichen Kunstgeschichte.

Jüngste Publikationen

Artificial Darkness: An Obscure History of Modern Art and Media. Chicago: University of Chicago Press, 2016. Winner of the 2017 Society for Cinema and Media Studies (SCMS) Anne Friedberg Innovative Scholarship Award.

Art in the First Screen Age: László Moholy-Nagy and the Cinefication of the Arts. Chicago: University of Chicago Press, in preparation.

“The Phantasmagoric Dispositif: An Assembly of Bodies and Images in Real Time and Space.” Grey Room 62 (Winter 2016): 42-71. German translation in Nach dem Film no. 15 (2017).

“Counter-History Paintings: Stan Douglas’s Photo-Panoramas,” in Stan Douglas (Hasselblad/MACK: Göteborg, Sweden), 2016.

“Experimentation: From Darkroom to Laptop.” In Photography at MoMA: 1960 until Now, 316-319. New York: Museum of Modern Art, 2015.